Angst vor Veränderung oder vor Verlust

„Ab nächstem Monat verdienst du netto 500€ mehr!“

Da würdest du dich nicht beschweren, oder?

Wenn ich dir jedoch sagen würde: „Ab nächstem Monat bekommst du netto 500€ weniger“, wärst du vermutlich nicht mehr ganz so entspannt.

Erst vor kurzem habe ich wieder mit einer Führungskraft gesprochen, die meinte: „Meine Leute tun sich so schwer mit Neuem. Sie haben Angst vor Veränderung.“

Aber ist es wirklich die Angst vor Veränderung oder vielmehr die Angst vor Verlust?

Ich würde behaupten, dass die meisten Menschen nur wenig Probleme mit Veränderungen haben – solange sie zu ihrem Vorteil sind.

Wir gehen jedoch meistens erstmal vom Schlimmsten aus und haben deshalb mehr Angst davor etwas zu verlieren. Diese Verlustaversion haben Kahneman und Tversky schon 1979 nachgewiesen. Sie hat sich evolutionär in uns festgesetzt und aus diesem Grund gewichten wir Verluste viel stärker als Gewinne.

Wenn du 10€ auf der Straße findest, währt die Freude meistens kürzer, als wenn du 10€ verlierst.

Einige Forscher erklären dieses Verhalten damit, dass wir in der Steinzeit nur eine bestimmte Menge an Fleisch oder anderen Nahrungsmitteln verarbeiten konnten. Es gab noch keine Kühlschränke und so war die Freude über fünf erlegte Tiere schnell dahin, weil das Fleisch schneller verdarb als es verwertet werden konnte.

Wenn wir jedoch längere Zeit keine geeignete Nahrung fanden, schlug unser Hirn Alarm und versetzte uns in einen hellwachen Zustand, der beim Jagen durchaus förderlich ist.

Jetzt jagen wir heute zwar keine Mammuts mehr, aber dafür jagt ein Change Projekt das nächste. Dabei frage ich mich, warum es überhaupt noch Change Projekte gibt!

Change hat in der Definition einen klaren Anfang und ein Ende. Das sehen wir aber heute nirgendwo mehr. Deshalb sprechen wir auch nicht von „Digitalem Change“ oder „Agilem Change“, sondern von „Digitaler Transformation“ oder „Agiler Transformation“.

Kleines Wort, großer Unterschied!

Eine Transformation ist ein Prozess, der einmal angestoßen nicht mehr zum Stillstand kommt.

Genau das erleben wir aktuell in vielen Bereichen und ja, es wird auch in Zukunft so weitergehen. Ich glaube kaum, dass die Welt um uns herum in den nächsten Jahrzehnten nochmal ruhiger wird.

Da ist es klar, dass wir eine gewisse Angst verspüren. Aber frage dich (und dein Team) beim nächsten Mal, ob es wirklich die Angst vor Veränderung ist, die euch lähmt oder nicht vielmehr die Angst vor Verlust in einer Welt der globalen Transformation.

Wenn die möglichen Verluste auf den Tisch kommen, können sie diskutiert werden und verlieren häufig ihren Schrecken.

Probier es gerne einmal aus!

Dein Dennis

Warum es so sinnvoll ist über das vergangenen Halbjahr zu reflektieren und wieso dir das hilft für das nächste Halbjahr zu planen, erfährst du in diesem Artikel.

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